
Dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind und ihre Religion frei wählen und ausüben dürfen, scheint uns heute selbstverständlich, aber es war nicht immer so.
Im 18. Jahrhundert waren dies geradezu revolutionäre Gedanken. Ein pflichtbewusster, nicht immer angenehmer Preußenkönig -Friedrich II. (genannt "der Große"oder "der Alte Fritz") - hat diesen Grundrechten zumindest in Norddeutschland den Weg geebnet.
Sein Leben (1712-1786) begann eher mit Peinlichkeiten. Er litt unter der strengen, zeitweise brutalen Erziehung durch seinen Vater, König Friedrich Wilhelm I., der ihn für jedes kleinere Vergnügen, ja sogar wegen seiner künstlerischen Interessen ausschalt und verprügelte.
Friedrich wurde dennoch ein ausgezeichneter Flötenspieler.
Dramatischer, ja nach heutigen Begriffen fast schon satanisch war ein Exempel, das der König 1730 an einem Freund seines Sohnes statuieren ließ. Der Wunsch, eine englische Prinzessin zu heiraten, war Friedrich verweigert worden. Er hatte daraufhin mit seinem acht Jahre älteren Vertrauten Hans Hermann von Katte, einem Leutnant der preußischen Armee, einen Fluchtversuch in Richtung England unternommen. Die beiden wurden jedoch hinter Heilbronn abgefangen und nach Wesel verbracht. Der König drohte beide wegen Fahnenflucht hinrichten zu lassen. Schließlich wurde Katte in der Festung von Küstrin mit dem Richtschwert enthauptet und Friedrich sollte von einem Fenster aus zusehen. Der Überlieferung nach fiel Friedrich jedoch vor der Exekution in Ohnmacht.
Dass Friedrich homosexuell war, wird gemutmaßt, ist aber nicht nachgewiesen. Der junge Mann willigt in eine Zwangsverlobung ein, wird 1732 endlich aus der Haft entlassen und heiratet 1733 Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern.
Seine Ehe bleibt jedoch kinderlos und insgesamt bedeutungslos. Mit Frauen hat er auch sonst nichts am Hut. Dass er seine Gemahlin nicht verstoßen werde, muss er dem Vater kurz vor dessen Tod noch versprechen. Man sieht, dass der Zwang weit über das Grab hinausreicht.
Nach der Thronbesteigung 1740 beginnt sich der junge König vor allem als Feldherr hervorzutun, was ihm die nationalistische Geschichtsschreibung der nächsten zwei Jahrhunderte sicher am höchsten angerechnet hat.
Er bricht sofort einen Krieg gegen österreich vom Zaun (1740-42), erobert die wirtschaftlich gut entwickelte Provinz Schlesien und kann dieses Raubgut in einem zweiten Krieg (1744/45) mit gewagten "Alles-oder-nichts-Schlachtmanövern" erfolgreich verteidigen. Von 1740 bis 1757 behält er als Feldherr regelrecht den Nimbus der Unbesiegbarkeit.
Nachdem er seine Armee energisch ausgebaut und perfektioniert hat, löst Friedrich II. 1756 durch Einmarsch in Kursachsen den Siebenjährigen Krieg aus, in dem er wieder sein militärisches Talent unter Beweis stellt. Neben Russland, österreich, Frankreich und England etabliert sich Preußen nun endgültig als fünfte europäische Großmacht.
Lesen Sie den zweiten Teil und klicken Sie hier: Aber was waren die wirklichen Ziele vom Preußenkönig Friedrich der Große?
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Friedrich der Große. Ein Königtum der Widersprüche
Wer eine mit Anekdoten angereicherte, chronologische Biographie erwartet wird enttäuscht sein, dazu gibt es übersichtlichere und kürzere Abhandlungen. Wer allerdings Friedrich den Großen in seiner ganzen Komplexität, Wirkung und in seiner Zeit verortet erfassen will, den erwartet ein brilliantes Leseabenteuer das kaum Wünsche offen lässt.
Diese Darstellung König Friedrichs II.
von Preußen, dem schon die Zeitgenossen den Beinamen 'der Große' zuerkannt haben, ist eine Lebensbeschreibung im erweiterten Sinne. Denn Friedrich II., der sechsundvierzig Jahre hindurch den mächtigsten Staat im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation regiert hat, steht stellvertretend für die Neuerer, welche die politische und gesellschaftliche Szene, die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung noch vor der Mitte des 18. Jahrhunderts in Bewegung vesetzt haben. Sein Name verkörpert nicht nur die Vermehrung der Macht des Staates Preußen in Europa.
Der immer von neuem unternommene Versuch, Friedrich den Großen in seiner Zeit, im Zusammenhang mit der europäischen Geschichte, ja der Weltgeschichte zu interpretieren, hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Diese Biographie ist schon wegen ihrer schriftstellerischen Gestaltung ein bedeutendes Stück deutscher Gegenwartsliteratur.
Auch, wer über Friedrich gut Bescheid zu wissen glaubte, wird in vielen Punkten Neues lernen oder auch umlernen müssen. Wie man überhaupt auf Schritt und Tritt merkt, daß man sich in den Händen des Groß- und Altmeisters heutiger deutscher Geschichtsschreibung befindet, eines säkularisierten Ranke sozusagen, der nichts beweisen will, sondern nur wissen, 'wie es eigentlich gewesen ist'.
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