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Der Mythos der Prieuré de Sion – Teil 2

Symbol der Prieuré de Sion

Pierre Plantard erfindet eine Geheimgesellschaft

 

 

ALPHA GALATES UND VAINCRE

In den Jahren 1942–43 fungierte Pierre Plantard sodann als Galionsfigur einer esoterischen, nationalistischen Bewegung namens Alpha Galates, die mit einer Zeitschrift namens „Vaincre“ in Erscheinung trat.

Der Name „Alpha Galates“ spielt auf die Galater an, die Nachfahren der 20.000 keltischen Söldner vom Stamm der Volcae, die sich um 275 v. Chr. in Inneranatolien niederließen, also in der heutigen Türkei. Diese keltischen „Gallier“ vermischten sich offenbar mit den dort einheimischen Phrygiern, aber noch im Jahr 400 n. Chr. bezeugte Kirchenvater Hieronymus die Existenz keltisch sprechender Volksgruppen in der Gegend, die sich Galatai nannten. Römische Autoren hingegen bezeichneten sie ungenau als „Gallo-Griechen“. Vaincre versuchte an die keltische Kultur und ans Druidentum anzuknüpfen, so wie deutsche Nationalisten sich gern auf die alten Germanen beriefen. (Das Verb vaincre bedeutet „besiegen, bezwingen, überwinden“.)

Ob Pierre Plantard die Alpha Galates wirklich selbst gegründet hat oder ob er nur von Hintermännern vorgeschoben wurde, lässt sich anhand der verfügbaren, oft widersprüchlichen Quellen nicht zufriedenstellend klären. Nach Auffassung des esoterisch geprägten Autors Robert Richardson (a.a.O.) soll Alpha Galates bereits 1934 bestanden und seit Ende der 30er Jahre Pierre Plantard als nominelles Oberhaupt eingesetzt haben. Wahrscheinlich handelt es sich bei der Rückversetzung von Alpha Galates in die 30er Jahre jedoch um eine weitere schamlose Flunkerei von Pierre Plantard. Denn nach Angaben von Massimo Introvigne vom „Center of Studies on New Religions“ (CESNUR) in Italien hat Pierre Plantard 1942 die ehrgeizige Organisation Alpha Galates selbst gegründet und eine sehr komplexe Satzung für sie ausgearbeitet, deren Datum er ganz unverfroren auf 1937 vorverlegte. (Das ist der numerologische Tick Plantards, nämlich eine Anspielung auf das Jahr 1793, und sein perfider Trick der Irreführung durch Fehldatierung, eine Methode, mit der man gewissenhafte Rechercheure scharenweise beschäftigt hält und an den Rand des Wahnsinns treibt.) Neben den üblichen monarchistischen und rechtsradikalen Ideen errichtete er für dieses neue Verwirrspiel ein quasi- freimaurerisches, aber sicherlich hohles Einweihungssystem in zwölf Graden, dessen Gipfel die „Druidische Majestät“ bildete, ein Titel, der einer einzigen Person vorbehalten war – nämlich Pierre Plantard selbst. Man sieht, dass er den Mund reichlich voll nahm.

Wie kam er darauf? Seine Mutter, ihres Zeichens Concierge und Freelance­ Köchin, war mit ihm inzwischen an die Adresse 10 Rue Lebouteux umgezogen, wo er neue Freunde fand, darunter zwei bekannte Rundfunkschauspieler namens Jacques Thereau und Suzanne Libre sowie ein Mann namens Jules­Joseph-Alfred Tillier (1896-1980) – ein Chefbuchhalter einer Rüstungsfirma. Tillier wiederum war mit Paul Le Cour (1861-1954) befreundet, dessen 1937 erschienenes Buch L’Ère du Verseau („Das Zeitalter des Wassermanns“) unter anderem an die Tradition einer kleinen, ausgeflippten katholischen Bewegung namens Hiéron du Val d’Or anknüpfte, die eine Art Theokratie oder Gottkönigtum für die europäischen Nationen angestrebt hatte.

Plantard arbeitete überdies seit einiger Zeit als Küster der Kirche Saint-Louis d'Antin. Der dortige Priester François Ducaud-Bourget (1897–1984), dessen Wohlwollen Plantard Ende der 30er Jahre die Leitung der oben genannten katholischen Jugendgruppe zu verdanken hatte, veranstaltete Messen für einen Kreis rechtsgerichteter Intellektueller, zu dem der Philosoph Louis Le Fur (1870-1943), der Orientalist Graf Maurice de Moncharville (1860-1943) und der bereits genannte Paul Le Cour zählten.

All diese Namen sind für den deutschen Leser völlig nichtssagend und auch ganz allgemein für praktisch denkende Menschen bedeutungslos. In einem Kontext französischer Pseudo-Esoterik dienen sie vor allem der Mystifizierung des Umkreises und der Herleitung; da wird verbissen und wichtigtuerisch versucht, die Weiterleitung und Fortzeugung ausgefallener Gedanken in einer Art Ideen-Stammbaum von Denkern und Möchtegern-Koryphäen nachzuweisen, um deren geheimnisvollen Einfluss auf den Gang der Geschichte zu bekräftigen. Es ist wahr, dass Ideen maßgeblich den Gang der Geschichte beeinflussen, aber wenn sich nicht irgendwo und irgendwie ein klarer Bezug zu den wirklichen Akteuren der Politik herstellen lässt, dann waren es nur Spinnereien im Hinterstübchen.

Jedenfalls benutzte Plantard als Chefredakteur der antisemitischen, antifreimaurerischen und katzbuckelnd Vichy-freundlichen Zeitschrift Vaincre, deren erste Ausgabe am 21. September 1942 erschien, nun das aristokratisch angehauchte Pseudonym „Pierre de France“ oder „Pierre de France de Plantard“. Zwar erschienen in Vaincre unter Plantards Federführung einige Artikel, die mit den oben erwähnten Namen Le Fur und Moncharville unterzeichnet waren, aber die grundsätzlich lügenhafte Vorgehensweise von Pierre Plantard lässt zumindest den Verdacht aufkommen, dass er diese Namen mit oder ohne Erlaubnis unter seine eigenen Schriften setzte. Das gilt sicherlich für einen Vaincre-Beitrag, der Camille Savoire (1869–1951) zugeschrieben wurde, einem prominenten französischen Freimaurer mit engen Verbindungen zur Résistance. Plantard und sein mehr oder weniger vorgetäuschter Zirkel traten damals ausgesprochen antifreimaurerisch und deutschfreundlich in Erscheinung; Savoire hätte wohl schwerlich für Vaincre geschrieben. Aber ein anderes interessantes Detail hatten Plantard, Le Cour, Tillier und Savoire zu jener Zeit gemeinsam: sie lasen mit Interesse die Schriften des französischen Zweiges von AMORC, der 1915 gegründeten amerikanischen Rosenkreuzer-Organisation. Zwar war Plantard selbst nie ein Rosenkreuzer, aber er freundete sich später mit Raymond Bernard an – der in den 70er Jahren schließlich die führende Figur von AMORC in Frankreich war, bis er aus dieser Organisation austrat. Dieser Aspekt des plantardschen Werdegangs tritt später noch einmal zutage, als er seine fiktive Liste von Großmeistern der Prieuré de Sion ganz nach dem Muster der älteren, symbolisch gemeinten Vorväterlisten von AMORC ausarbeitet.

Plantards Kontakte zu Anfang der 40er Jahre liefern jedenfalls eine plausible Erklärung für den esoterischen Stil und die vorgespiegelte hierarchische Struktur von Alpha Galates. Die 1942–43 in Vaincre veröffentlichten Artikel befassten sich recht oberflächlich mit esoterischen Motiven wie Rittertum, Atlantis, verborgenen tibetanischen Städten und keltischer Mythologie – Themen, für die sich typischerweise Theosophen interessiert hätten. Einige Artikel waren auch antisemitisch eingefärbt, und ein äußerst verschlüsselter, von merkwürdiger Symbolik und okkulten Andeutungen strotzender Artikel namens „Hier ist die Wahrheit“ in Vaincre Nr. 5, der sich vornehmlich gegen Freimaurer zu richten scheint, kann von normalen Lesern eigentlich nur als psychotisch eingestuft werden, oder als völliger Quatsch. – Alpha Galates versuchte dieses Journal als Forum einer relativ großen, geschlossenen Gruppierung junger Menschen darzustellen.

In der dritten Nummer von Vaincre, die der Verteidigung gegen eine üble Attacke vonseiten des Nazi-Hetzblattes Au pilori („An den Pranger“) gewidmet war, wurden am 21. November 1942 die Ziele von Alpha Galates wie folgt definiert:

  1. Die Einheit Frankreichs innerhalb seiner geographischen Grenzen und die Beseitigung der Demarkationslinie zwischen den von Deutschland besetzten Zonen und jenen unter der Kontrolle von Vichy;
  2. die Mobilisierung aller französischen Energien und Mittel für die Verteidigung der Nation, insbesondere ein Appell an die Jugend, einen Pflicht-Wehrdienst zu leisten;
  3. die Schaffung einer „neuen westlichen Ordnung“, eines „jungen europäischen Rittertums“, dessen Hauptgedanke „Solidarität“ sein solle. Diese Organisation, genannt „Solidarität“, müsste „das erste Stadium der Vereinigten Staaten des Westens“ darstellen. (Vaincre Nr. 3, 21.11.1942; so zitiert von Michael Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln, Das Vermächtnis des Messias, Bastei-Lübbe-Taschenbuch, 3. Auflage 1995, S. 424f.; engl. Originaltitel: The Messianic Legacy, 1986.)

Insgesamt erschienen von Vaincre nur sechs Ausgaben, aber sie verschafften Plantard eine gewisse Anerkennung; immerhin behielt ihn die Polizei im Visier. Noch im Februar 1945 wurde Alpha Galates mit seiner wechselhaften Mitgliedschaft von höchstens 50 Personen polizeilich untersucht, aber die Ordnungshüter kamen zu dem Schluss, dieser Verein sei nicht ernst zu nehmen. 1947 löste sich Alpha Galates endgültig auf.

Die Frage, ob die Gestapo Pierre Plantard von Oktober 1943 bis Februar 1944 wegen Unterstützung der Résistance im Gefängnis Fresnes bei Paris internierte, hat gelegentlich Rätsel aufgegeben. Seine nachweislichen Aktivitäten erwecken eher den Anschein einer wirren, Vichy-freundlichen Kollaboration. Doch im Hintergrund stand zweifellos ein leidenschaftlicher, hinter Symbolik, Mythologie und Irreführungen versteckter Patriotismus. In einem Bericht der Pariser Polizeipräfektur vom 13. Februar 1945 (wiederum Teil der Akte Ga P7) ist festgehalten, dass die französische Polizei in Paris auf Betreiben der deutschen Besatzer am 24. Oktober 1942 eine Ermittlung gegen Pierre Plantard anstrengte, weil Plantard um eine Genehmigung für die offizielle Gründung des Vereins Alpha Galates angesucht hatte, und dass Plantards „mehrfache Anträge, vielleicht auch seine Einstellung zur Besatzungsmacht ihm 4 Monate im Gefängnis Fresnes einbrachten“. In demselben Polizeibericht ist auch vermerkt, dass Plantard aus der Sicht der französischen Behörden bislang nicht vorbestraft ist. Plantards Mutter soll bestätigt haben, dass ihr Sohn von der Gestapo, nicht von der französischen Polizei verhaftet wurde. Ende der 70er Jahre legte Plantard den Autoren des Buches Der Heilige Gral und seine Erben eine auf den 11. Mai 1955 datierte eidesstattliche Erklärung eines Mannes namens Poirier Murat vor, in der bestätigt wird, dass Plantard von Oktober 1943 bis Februar 1944 von der Gestapo im Gefängnis Fresnes interniert gewesen ist. In Poirier Murats Firma wurden 1942–43 die sechs Ausgaben von Vaincre gedruckt.

Damit sollte die Frage nach Plantards Gestapo-Internierung hinreichend geklärt sein – unter der Voraussetzung, dass die im Internet wiedergegebene Akte Ga P7 und die eidesstattliche Erklärung des Monsieur Murat nicht gefälscht sind. (Falls Sie sich eines Tages die Mühe machen, die Biographie eines ehrlichen Mannes zu schreiben, werden Sie ständig mit dem Aussortieren der Fakten zu kämpfen haben. Aber wenn Sie sich die Biographie eines Lügenbarons vornehmen, werden Sie unter dem Misthaufen der vorgespiegelten Tatsachen kaum noch Luft kriegen.)

DER PHANTASIEVOLLE SCHWINDLER SCHLÄGT SICH DURCH

Der Krieg war aus, und Jahrzehnte vergingen, bevor Pierre Plantard zu seinem zweifelhaften Ruhm als Kernfigur des Mythos um die „Prieuré de Sion“ gelangte. Wir sehen hier – soweit wir ihn überhaupt sehen – einen jungen Mann, dessen Lebensweise sich jeder üblichen Beschreibung entzieht. 1947 gründete er eine „Lateinische Akademie“, jedoch die einzigen Mitglieder waren er selbst und seine Mutter. 1951, nachdem er eine zehn Jahre jüngere Dame namens Anne Léa Hisler (1930–1971) geheiratet hatte, zog er aus Paris in das billigere Städtchen Annemasse in der Region Haute-Savoie nahe dem Genfer See um. In einem Polizeibericht vom 4. Mai 1954 ist eine etwa dreijährige Tochter erwähnt.

Aber wovon hat er all die Jahre gelebt? Die frühen Polizeiberichte gehen davon aus, dass er eigentlich nur von seiner Mutter ausgehalten wurde. Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre soll er als Küster (Kirchendiener) beschäftigt gewesen sein; während der Phase in Annemasse heißt es mal „technischer Zeichner“; und in den 60er Jahren bot er unter dem Pseudonym „Chyren“ seine Dienste als Hellseher an. Seiner eigentlichen Berufung entspricht es wohl eher, dass er an seinem neuen Wohnort Ende 1953 wegen Betrugs und Unterschlagung für sechs Monate ins Kittchen kam, weil er zu unverschämten Preisen den Verkauf von Graden in esoterischen Ordensgesellschaften betrieben hatte. Aber hallo! Über diese Geschichte hätten wir gern mehr erfahren. Was für Ordensgesellschaften? Man muss schon reichlich Phantasie aufbringen und ganz gehörig die Werbetrommel rühren, um seinen Mitmenschen teure Ordensgrade in esoterischen Gesellschaften anzudrehen, egal ob diese Gesellschaften wirklich existieren oder nicht. Was hat er den Leuten verkauft? Einen Titel als „Heiliger Laternenanzünder im Siebenten Häuschen“ oder „Adepten des blauen Lichts“, so wie andere Leute falsche Adelstitel verkaufen? Das wäre doch lustig.

DIE GRÜNDUNG DER PRIEURÉ DE SION

Für seine Wuchergeschäfte mit fiktiven esoterischen Titeln kam Plantard also 1953 in den Knast, aber er ließ sich nicht entmutigen. Jetzt kommt auf eine absolut nichtssagende, inhaltslose Weise die Erfindung, die allmählich zu seinem größten Coup ausartete und ihm weit über den Kopf wachsen sollte, obwohl es bloß ein alberner Scherz war. Am 7. Mai 1956 gründete er per Eintragung im Vereinsregister von Annemasse mit nur vier ausgewiesenen Mitgliedern (Pierre Plantard, André Bonhomme, Jean Delaval und Armand Defago), jedoch gewohnheitsmäßig mit einer großen vorgetäuschten Struktur, einen weiteren „esoterischen und politischen“ Orden unter dem Namen „Prieuré de Sion – C.I.R.C.U.I.T.“. André Bonhomme (alias „Stanis Bellas“) wurde als Präsident, Pierre Plantard als Generalsekretär angegeben. Pierre Plantard hat nachher behauptet und viele Male angedeutet oder andeuten lassen, die Vorgeschichte seines „Ordens“ reiche weit durch die Jahrhunderte zurück, obwohl diese Behauptung jeder historischen Grundlage entbehrt.

Betrachten wir kurz den großspurigen Namen des Vereins, um da nichts ungeklärt zu lassen. Das „Priorat von Zion“? Ein „Priorat“ (Prieuré) ist definitionsgemäß ein kleineres, von einer Abtei abhängiges Kloster unter Leitung eines Priors. Plantard hat jedoch weder ein Kloster gegründet noch seinen Verein einer Abtei unterstellt, und natürlich war weit und breit kein Prior zugegen. Das wäre schon mal die erste Irreführung. Die zweite Irreführung, die uns der pseudoesoterische Kasper hier andreht, ist ganz alberner Art. Obwohl es später einen Wust an Spekulationen gegeben hat, „Zion“ (Sion) bezöge sich auf den Zionsberg im Süden Jerusalems, meinte Plantard schlicht und einfach den Mont Sion in der Nähe seines Wohnorts Annemasse, einen Hügel, der gern von Touristen besucht wird. Dort hoffte der Verein sich ein Gebäude kaufen zu können, das als eine Art spirituelles Zentrum gedient hätte – wenn man’s glaubt.

Der zweite Teil des Vereinsnamens, „C.I.R.C.U.I.T.“, stand für Chevalerie d’Institution et Règles Catholiques d’Union Indépendante et Traditionaliste (Ritterschaft der katholischen Institution und Regeln der unabhängigen und traditionalistischen Union), was natürlich kompletter Blödsinn ist. Man könnte bestenfalls mutmaßen, die Anspielung auf katholischen Traditionalismus habe etwas mit Plantards priesterlichem Vorgesetzten François Ducaud-Bourget Anfang der 40er Jahre zu tun, denn Ducaud-Bourget war ein streitbarer traditionalistischer Katholik.

Die Abkürzung „C.I.R.C.U.I.T.“ war gleichzeitig der Titel eines belanglosen Vereinsblättchens. Die darin verfolgte Politik beschränkte sich im Wesentlichen darauf, billige Wohnungen für die arbeitende Bevölkerung von Annemasse zu fordern und die lokalen Bauunternehmer zu kritisieren; der Verein unterstützte bei den Kommunalwahlen den Oppositionskandidaten. Die „esoterischen“ Ziele gemäß der Satzung waren, wie üblich, sehr anspruchsvoll; es ging um nichts Geringeres als die Wiederherstellung des mittelalterlichen Rittertums. Die Satzung postulierte für die „Prieuré de Sion“ ganze 9.841 Mitglieder in einer aus 9 Graden bestehenden Ordenshierarchie. Da ist auch gleich von „729 Provinzen, 27 Komtureien und einer als Kyria bezeichneten Arche“ die Rede. Die „Arche“ als Spitze der Pyramide sollte in höchster Position einen Steuermann (Nautonier), darunter drei Seneschalle (Sénéchaux) und neun Konnetabeln (Connétables) umfassen. In diesem Stil geht es recht phantasievoll weiter, über Komture, Ritter, Schildknappen, Helden und Kreuzfahrer bis hinab zu den Novizen, wobei in absteigender Ordnung zu jeder Stufe dreimal so viele Mitglieder gehören wie zur nächsthöheren. Papier ist geduldig.

Wenn man heute in zahlreichen Internet-Dokumenten in vielen Sprachen der Erde nachlesen kann: „Am 7. Mai 1956 hinterlegten sie bei der Unterpräfektur von Saint-Julien-en-Genevois die Satzung und die Eintragungsunterlagen der Prieuré de Sion, entsprechend dem französischen Vereinsgesetz von 1901, das allen Gesellschaften vorschrieb, sich behördlich registrieren zu lassen,“ dann klingt das schon beinahe biblisch und auf jeden Fall irgendwie nachgebetet, obwohl der Vorgang an Banalität kaum zu überbieten ist. Mittlerweile haben wir es hier mit einer inhaltslosen Ersatzreligion zu tun, die mit pompöser Legendensprache wohl ans Lukasevangelium anknüpfen will. (Sie erinnern sich wahrscheinlich: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt.“ Faschisten und Monarchisten nehmen den vertrauten Stil der Heiligen Schrift gern für ihre düsteren Zwecke zu Hilfe.)

Wie konnte sich diese plantardsche Kreation derart verselbständigen und zum weltweiten Kult werden? Dazu eine vage Idee: Als sich die Medien darauf stürzten, war die schrullige Bezeichnung „Priorat von Zion“ sicher ganz brauchbar, um auf irrationalen Denkkanälen die Herausbildung der modernen Kreuzfahrer-Mentalität zu unterstützen. Denn „Priorat“ klingt katholisch, und „Zion“ erinnert unweigerlich an Israel; was wäre das dann, ein geheimer, „judäochristlicher“ Machtfaktor? Das scheint absurd, aber es entspricht der mutwilligen Irrationalität des Medienbetriebs, der Tendenz zum Ausmalen und Aufwühlen von Konfliktstoffen, die es sonst gar nicht gäbe. – Aber wir greifen vor.

Irgendwann nach Oktober 1956 löste sich der kleine Verein „Prieuré de Sion“ in seiner trivialen, konkreten Version als ritterlicher Hinterstübchen-Treffpunkt für Mietpreisgeschädigte in Annemasse wieder auf. Pierre Plantard scheint um diese Zeit in ernste Schwierigkeiten geraten zu sein, die jedoch aufgrund des französischen Datenschutzes nicht nachgewiesen und daher hier auch nicht näher beschrieben werden können. Bekannt ist jedoch, dass sich seine erste Frau, Anne Léa Hisler, um diese Zeit von ihm scheiden ließ.

Seltsam ist vor diesem Hintergrund, dass 1973 – sechzehn Jahre später – in der Zeitschrift Le Charivari, Nr. 18, eine skurrile, unfreiwillig komische Lobrede auf Pierre Plantard erschien, die angeblich von Anne Léa Hisler verfasst worden war. Madame Hisler war zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre tot. In der üblichen Prieuré-Manier kann der Artikel natürlich von Pierre Plantard selbst oder von einem seiner Mitstreiter verfasst worden sein. Man liest mit Staunen:

„Vergessen wir nicht, dass dieser Psychologe mit so unterschiedlichen Persönlichkeiten befreundet war wie dem Grafen Israël Monti, einem der Brüder der heiligen Feme, Gabriel Trarieux d’Egmont, einem der dreizehn Mitglieder der Rosenkreuzer, Paul Lecour, der über Atlantis philosophierte, ... dem Abbé Hoffet, Mitarbeiter des Dokumentationszentrums des Vatikans, Th. Moreux, Direktor des Konservatoriums von Bourges, und vielen anderen. Erinnern wir uns ferner daran, dass er während der deutschen Besatzungszeit verhaftet und von der Gestapo gefoltert wurde und viele Monate als politischer Gefangener interniert war. Als Doktor der Wissenschaften lernte er den Wert von Geheiminformationen kennen, was dazu führte, dass ihm von zahlreichen hermetischen Gesellschaften der Doktortitel honoris causa verliehen wurde. All diese Erfahrungen und Prüfungen haben ihn zu einem einzigartigen Menschen geformt, einem Mystiker des Friedens, einem Apostel der Freiheit und einem Asketen, dessen Ideal es ist, dem Wohlergehen der Menschheit zu dienen. Kann es da noch überraschen, dass er eine der grauen Eminenzen wurde, bei denen sich die Großen dieser Welt Rat holen? Im Jahre 1947 folgte er einer Einladung der Schweizer Regierung und lebte längere Zeit in der Nähe des Genfer Sees, wo zahlreiche chargés de mission und Delegierte aus der ganzen Welt residieren.“ (Le Charivari Nr. 18, 1973, so zitiert von Michael Baigent, Richard Leigh und Henry Lincoln, Der Heilige Gral und seine Erben, Bastei-Lübbe-Taschenbuch Band 60182, Bergisch Gladbach 1984, 12. Auflage April 2004, S. 209f.; engl. Originaltitel: The Holy Blood and the Holy Grail, 1982)

Da wird der Küster zum Psychologen und der Hochstapler zum illustren Freund einer schillernden Parade schräger Vögel. Das ist doch wohl eher zum Schreien! Man könnte ein paar Wochen kostbare Zeit auf frustrierende Recherchen verwenden, um all diesen Namen und großspurigen Behauptungen auf den Grund zu gehen. Wirkliches Engagement wird hier jedoch bloß persifliert, echtes geistiges Niveau im Grunde nur verspottet. Wie sagte schon Friedrich Schiller: „Er (der Dilettant) nimmt das Dunkle für das Tiefe, das Wilde für das Kräftige, das Unbestimmte für das Unendliche, das Sinnlose für das Übersinnliche.“

Plantard jedoch, in der Kunst des Lügens wahrlich kein Dilettant, sondern ein echter „Großmeister“, hat es immer wieder geschafft, sich effektvoll darzustellen und gewissenhafte Rechercheure in einen Wald voller Absurditäten zu locken. Und die Aura des Geheimnisvollen beginnt noch greller zu leuchten, wenn ein paar Schlaumeier darauf hinweisen, dass Nostradamus tatsächlich nicht „Hitler“, sondern „Hisler“ vorausgesagt hatte. (Hm, es muss wohl ein kleiner Hörfehler gewesen sein ... kann ja mal vorkommen, wenn man Jahrhunderte weit in die Zukunft lauscht.)

Ende 1957 hielt Pierre Plantard es für ratsam, die Koffer zu packen und wieder nach Paris zu gehen. Dort scheint er sich während des Militäraufstands in Algerien für General de Gaulle stark gemacht zu haben, und zwar gemeinsam mit André Malraux und anderen als Mitorganisator der sogenannten Comités de Salut Public („Komitees für öffentliche Sicherheit“). Der konkrete Umfang dieses Engagements ist schwer festzustellen; es kann aber nur eine kurze Episode gewesen sein, denn schon bald war de Gaulle in den Elysée-Palast zurückgekehrt, was wohl der Sinn der Übung war. Plantard erhielt einen Dankesbrief von de Gaulle, datiert auf den 29. Juli 1958 (ähnliche Briefe gingen vermutlich an Tausende von Einzelpersonen und Vereinigungen). Nach Angaben in dem Buch Der Heilige Gral und seine Erben bat de Gaulle fünf Tage später „Monsieur Plantard in einem zweiten Schreiben, die Komitees, die ja nun ihren Zweck erfüllt hätten, aufzulösen, was auch umgehend veranlasst wurde“ (a.a.O., S. 211).

Anfang der 60er Jahre verdingte sich Plantard unter dem Namen „Chyren“ als Hellseher, während die Phantasien um die Prieuré de Sion jetzt mit bruchstückhaft hinterlegten Informationspäckchen in Zeitschriften, Bibliotheken und Büchern herangezüchtet wurden. Etwa 1964 kam der Prieuré­ Schabernack mithilfe der kuriosen Geschichte eines Dorfpriesters in der südwestfranzösischen Landschaft Languedoc ins Rollen; in dieser Version sollte die Story sich schließlich zur Vorlage für den Da Vinci Code weiterentwickeln.

RENNES-LE-CHÂTEAU UND BÉRENGER SAUNIÈRE

Das winzige, aber mittlerweile weltberühmte Kaff auf einer Hügelkuppe im Vorgebirge der östlichen Pyrenäen heißt Rennes-le-Château, und der Dorfpriester um die vorletzte Jahrhundertwende hieß Bérenger Saunière (1852-1917).

Rennes-le-Château bietet eine sehr romantische, geschichtsträchtige Kulisse, und 1897 hatte der Abbé Saunière dort angeblich einen Schatz entdeckt. Manche behaupteten, der Schatz habe nicht aus Gold oder uralten Artefakten bestanden, sondern aus Geheimdokumenten, die es Saunière erlaubten, in hochrangige esoterische und politische Kreise einzutreten und unglaublich reich zu werden. Die Saunière-Story ist in eingehenden historischen Studien mehrfach widerlegt worden und man muss sie nicht über Gebühr aufwärmen.

Der Dorfpriester wurde nicht zum Millionär, wenn auch zeitweise wohlhabend genug, um Grundbesitz zu erwerben und sich in Rennes-le-Château eine Villa und einen Bibliotheksturm zu bauen. Seinen auffälligen Wohlstand hatte er indes einer unlauteren Geschäftspraxis zu verdanken, nämlich dem unmäßigen Verkauf von Messen; anders gesagt, er ließ sich von Geldgebern aus weiter Ferne dafür bezahlen, dass er sie in Gebete und Kulthandlungen einbezöge. Wie aus seinen eigenen peniblen Aufzeichnungen hervorgeht, ließ er sich in den Jahren von 1896 bis 1915 Spendenbeträge für mindestens einhunderttausend Messen zahlen, was in der Blütezeit dieses Schwindels auf fünf- oder sechstausend Messen pro Jahr hinauslief. Er musste also schon täglich einen ganzen Schwung Anfragen dieser Art in ein und dieselbe Messe einbeziehen, falls er die bezahlten Kulthandlungen überhaupt wirklich ausgeführt hat. Insofern war dieser in Saus und Braus lebende Priester zumindest ein Geistesverwandter unseres modernen Monsieur Plantard. Die Beschaffung der geistlichen Aufträge erfolgte durch eine weitreichende Korrespondenz Saunières und Anzeigen in frommen Blättchen in ganz Westeuropa. Da wurden Hunderte von Wohltätern immer wieder angesprochen. Unter anderem soll er von dem Geld auch seine Pfarrkinder zu üppigen Banketten eingeladen, sich in jeder Hinsicht freigebig gezeigt und sozusagen den Lebensstil eines mittelalterlichen Herrschers gepflegt haben, der über eine Bergfestung gebietet. Andererseits hat das Geldinstitut Crédit Foncier de France das Vermögen des Priesters 1913 auf lumpige 18.000 Francs eingeschätzt, als Saunière dringend Geld brauchte und um ein Darlehen bat. Sagenhaft reich kann er also unterm Strich nicht gewesen sein.

Nach dem Tode Bérenger Saunières wurde die platte Legende allmählich mit mysteriösen Anekdoten ausgeschmückt, insbesondere durch den örtlichen Restaurantbesitzer Noël Corbu (1912–1968), einen zeitweiligen Krimiautor, der 1946 Saunières „Villa Bethania“ kaufte und sie 1953–55 zu einem Restaurant und Hotel umbaute. Er hatte naturgemäß ein Interesse daran, für Rennes-le­Château die Werbetrommel zu rühren. Anfang der 60er Jahre traf sich Pierre Plantard mit Noël Corbu und wandelte die Saunière-Story wesentlich ab, um seine Hauptbotschaft vom Thronanspruch der Merowinger unter die Leute zu bringen. Das 751 von den Karolingern abgesetzte Geschlecht der Merowinger könne laut Plantard weiterhin Anspruch auf den französischen Thron erheben. Eigentlich galten die Merowinger als ausgestorben; durch geschickte Fälschungen wollten Plantard und seine lustigen Mitstreiter den Eindruck erwecken, es gebe Nachfahren der Merowinger, insbesondere in der Person Pierre Plantards selbst, der somit legitimer Thronerbe in Frankreich wäre (mal abgesehen von der Kleinigkeit, dass die Monarchie in Frankreich abgeschafft ist). Die Prieuré de Sion wurde im Zusammenhang mit diesem Schwindel als eine uralte Geheimgesellschaft dargestellt, deren vornehmste Aufgabe es gewesen sei, die Nachfahren der Merowinger vor den Karolingern und später auch vor anderen Feinden zu schützen, um für irgendeinen künftigen, machtpolitisch günstigen Augenblick die merowingische Blutslinie fortzusetzen.

Um diese Behauptung zu stützen, wurde dem Dorfpriester nun angedichtet, er habe einst bei Renovierungsarbeiten in seiner Kirche einige hochbrisante Dokumente gefunden, alte „Pergamente“, die eine geheimnisvolle, verschlüsselte Botschaft enthielten.

DAS SURREALISTISCHE MÜNCHHAUSEN-TRIO

Wie bringt man solche Thesen unter die Leute? Pierre Plantard hatte zwar die zündenden Ideen, aber den großen Schwindel konnte er nicht im Alleingang bewerkstelligen. Er inspirierte zu diesem Zweck zwei kuriose Freunde: a) den genialen Urkundenfälscher Philippe de Chérisey (1923–1985), Schriftsteller, Rundfunkhumorist und Schauspieler, und b) den Buchautor Gérard de Sède (1921–2004). Sowohl de Chérisey als auch de Sède waren Surrealisten. Diesem Trio gelang der Trick, auf Jahrzehnte hinaus die Öffentlichkeit zu narren und tendenziell die Realität einer christlich und demokratisch ausgerichteten Kultur umzustülpen. (Hoffentlich werden nicht Jahrhunderte oder Jahrtausende daraus; hoffentlich kommen Sie nicht im Jahre 4711 auf die Erde zurück und müssen feststellen, dass die Prieuré zur beherrschenden Weltreligion geworden ist. Beim Homo sapiens kann man nie wissen.)

Pierre Plantard, Philippe de Chérisey und Gérard de Sède

Plantard verfasste 1961 ein 32-seitiges, vervielfältigtes Dokument mit Kartenanhang unter dem Titel Gisors et son secret („Gisors und sein Geheimnis“) mitsamt einem Stammbaum der Familie Saint-Clair-sur-Epte, der sich später in den Dossiers secrets d’Henri Lobineau („Geheimakten von Henri Lobineau“) wiederfand, die 1967 in der Pariser Nationalbibliothek hinterlegt wurden – als ob man „geheime Akten“ in der Nationalbibliothek hinterlegen würde. Der Name „Saint Clair“ ist von Bedeutung, weil sich Plantard spätestens in den 70er Jahren irgendwie dieses vornehme Anhängsel zulegte: Pierre Plantard de Saint Clair. Der Verdacht auf eine Fälschung liegt angesichts seiner Vorgeschichte nahe. Das Original seiner Geburtsurkunde, das sich in der Bürgermeisterei des 7. Arrondissements [Bezirks] in Paris befindet und seinen Familiennamen nur als „Plantard“ sowie den Beruf seines Vaters als Kammerdiener angibt, steht jedoch im Widerspruch zu einem beglaubigten, maschinengeschriebenen standesamtlichen Auszug derselben Bürgermeisterei vom 22. August 1972, worin der Familie Plantard durch einen merkwürdigen Zusatz plötzlich der doppelte Grafentitel „Comte de Saint Clair et Comte de Rhédae“ zugeschrieben wird. Eine dritte Urkunde von 1977, ausgestellt von der Bürgermeisterei in Garenne-Colombes, gibt den Namen als „Plantard de Saint Clair“ an. Diese Widersprüche führt das Autorentrio Lincoln/Baigent/Leigh in seinem zweiten einschlägigen Buch, Das Vermächtnis des Messias, 1986 auf S. 513f. in den Anmerkungen an. Die Autoren zeigen sich nichtsdestoweniger beeindruckt, dass der Name „Plantard de Saint Clair“ tatsächlich auf den Schecks und im Pass des ausgefuchsten Gauklers erscheint und dass all diese Papiere legitim aussehen.

Die „Geheimakten“ von 1967 waren mit Hinweisen versehen, es handle sich bei „Henri Lobineau“ um das Pseudonym eines Mannes namens Leo Schidlof. Dieser aber war 1966 bereits verstorben und hatte wahrlich nichts mit der Sache zu tun; als jedoch das Autorentrio vom „Heiligen Gral“ diesen Unsinn um 1980 aufdeckte, erschien in Paris prompt eine neue Broschüre mit der Behauptung, hinter „Henri Lobineau“ stecke in Wirklichkeit ein Graf Henri de Lénoncourt; von Glaubwürdigkeit kann also bei all diesen Machenschaften keine Rede sein. Jeder Rechercheur sieht sich endlos in die Irre geführt. Gleichzeitig werden Orte und Namen beschworen, die ausgesprochen geschichtsträchtig sind, Gisors in Nordfrankreich (70 km nordwestlich von Paris) ganz ähnlich wie Rennes-le-Château; auf der Höhe der Kreuzzüge war Gisors eine Festung von entscheidender strategischer und politischer Bedeutung – genau wie Rennes-le-Château, früher Rhedae genannt, im sechsten Jahrhundert sehr viel größer und vorübergehend die nördliche Hauptstadt der Westgoten gewesen sein soll. Mit dieser Methode der Gaukelei, nämlich halb vergessene Orte von nationaler Bedeutung ins Rampenlicht zu rücken, wird dem Leser eine Fülle an spannenden Details eröffnet, sodass er viel dazulernt und „Ah“ und „Oh“ ruft, ohne dass die Kernthesen der Geschichtsklitterer jemals nachgewiesen werden.

In Plantards Dokument von 1961, Gisors et son secret, wurde jedenfalls behauptet, die Prieuré de Sion hätte während der Kreuzzüge bereits in Jerusalem existiert. Pierre Plantard wohnte damals an der Adresse 35 Avenue Victor Hugo, Paris. Nach eigenen Angaben verschickte er am 23. März 1961 Kopien dieses Dokuments an den Bibliothekar in Caen, an den Bürgermeister von Gisors und an Gérard de Sède. 1962 schrieb Gérard de Sède daraufhin sein Buch Les Templiers sont parmi nous, ou l’énigme de Gisors („Die Templer sind unter uns oder das Rätsel von Gisors“) mit ausführlichen Angaben zu Gisors. Am Ende des Buches geht ein langes Interview mit Pierre Plantard auf das Thema Gisors ein und bringt auch Hinweise auf die Prieuré de Sion.

Pierre Plantard und Philippe de Chérisey

Philippe de Chérisey fälschte für Pierre Plantard einige „uralte“ Dokumente, mit denen Plantards Abstammung vom fränkisch-merowingischen König Dagobert II. und eine 1000-jährige Vorgeschichte der Prieuré de Sion vorgespiegelt wurde. Ein Teil dieser Dokumente wurde in den 60er Jahren peu à peu in der französischen Nationalbibliothek hinterlegt, so wie man heute eine Website zu diesem Zweck benutzen würde; andere erschienen 1967 in Gérard de Sèdes Buch Le trésor maudit de Rennes-le-Château („Der verfluchte Schatz von Rennes-le-Château“).

Die plantardsche Manipulation des öffentlichen Bewusstseins ist inzwischen außer Kontrolle geraten – den ursprünglichen drei Musketieren wuchsen noch zu Lebzeiten die weltweiten Effekte ihrer Witzeleien über den Kopf, und selbst ihre späten Beteuerungen, es sei alles nur ein Schwindel gewesen, nahm ihnen dann kaum noch jemand ab.

Eckehard Junge
April 2007

 

-->> Teil 3

 

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Bleiben Sie neugierig!

 

Unser Buchtipp zu diesem Thema:

Geheimbünde: Mythos, Macht und Wirklichkeit

 

Eine weitere Empfehlung:

Das große Handbuch der Geheimgesellschaften: Freimaurer, Illuminaten und andere Bünde

 

 

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